»Das spornt mich an, dafür lohnt es sich!«

 

Fabiola Bellersheim

Leiterin Vertrieb, Region Asien-Pazifik, Veridos GmbH

E-Pässe für Bangladesch und Gänsehaut für Fabiola

 

Wann weiß man, dass man wirklich intensiv in einen anderen Kulturkreis eingetaucht ist? „Wenn du in deinem ruhigen deutschen Schlafzimmer das typische Hupkonzert einer asiatischen Großstadt vermisst“, sagt Fabiola Bellersheim. Sie muss es wissen: Als Vertriebsleiterin der Region Asien-Pazifik für Veridos, das Joint Venture von G+D mit der Bundesdruckerei, lebt sie seit Jahren in zwei Welten und gewann im vergangenen Jahr mit starker Unterstützung ihrer Kollegen den größten Auftrag in der Firmengeschichte: Elektronische Reisepässe und Grenzsicherung für Bangladesch.

20 Jahre Firmenzugehörigkeit, viele Bereiche des Unternehmens gesehen, mehrfach um die Welt geflogen, Mitarbeiter geführt, an hausinternen Förderprogrammen teil-genommen, zweimal Mutter geworden – gibt es da überhaupt noch etwas, das die Betriebstemperatur steigen lässt? „Und ob!“, erzählt Bellersheim. „Am 19. Juli 2018 war in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka nach zweieinhalb Jahren intensiver Akquisitionstätigkeit und Verhandlungen die Feier zur Vertragsunterzeichnung. Als ich das sah – mehr als 800 Gäste, überall Landesflaggen, hochrangige Vertreter, fröhliche Musik – das war für mich ein Gänsehautmoment.“ Für Veridos ist es ein Rekordauftrag im Volumen von 340 Millionen Euro für eine Komplettlösung aus elektronischen Reisepässen und Grenzkontrollsystemen. Für Bangladesch ist es viel mehr: ein weiterer Sprung in Richtung Moderne, ein Mehr an Sicherheit, ein Grund, stolz zu sein.

Veridos stattet die rund 165 Millionen Bürger von Bangladesch mit einem der modernsten und sichersten Reisepässe der Welt aus – elektronisch lesbar, biometrisch, fälschungssicher. „Das ist ein ganz wichtiger Beitrag im Kampf gegen Dokumentenfälschung und Terrorismus“, so Bellersheim. Hinzu kommen 50 E-Gates – also vollautomatische Kontrollschleusen für Flughäfen und Landesgrenzen. Selbst solche Superlative sind für eine erfahrene Managerin aber nicht das Highlight des Projekts. Das sind die Menschen: Veridos bildet 100 einheimische Mitarbeiter in Deutschland und weitere 1.000 Personen vor Ort aus, die dann anspruchsvolle Technologiearbeitsplätze haben werden. Einmal abgesehen von der Textilindustrie wird im Rahmen des Projekts eine der modernsten Fabriken des Landes zur Herstellung der Reisepässe gebaut. „Wir leisten hier einen echten Beitrag zum technologischen Fortschritt. Und unsere Kunden haben uns das auch emotional spüren lassen“, erinnert sich Bellersheim. „Das spornt mich an, dafür lohnt es sich!“

25  Prozent

 

Um diese Rate soll der Markt für E-Pässe jährlich wachsen.
Diese mit biometrischen Daten (z. B. Fingerabdruck) versehenen modernen elektronischen Ausweise sind in der EU, den USA und den meisten anderen Industrie- und Schwellenländern bereits Pflicht. Sie tragen erheblich zu sicherem Reisen und Verbrechensbekämpfung bei.

Das fast fertige Fabrikgebäude, in dem der neue elektronische Reisepass für Bangladesch produziert wird.

Ist eigentlich „Made in Germany“ noch ein Gütesiegel in der Welt? „Ganz klar: Ja! Das Projekt in Bangladesch ist auch deswegen zustande gekommen, weil Deutschland – und insbesondere die deutsche Technologie – dort solch hohes Ansehen genießt“, so Bellersheim. Doch auch hier ist es ein menschlicher Aspekt, der wieder einmal am meisten beeindruckt: Die Premierministerin von Bangladesch, Hasina Wajed, fühlt sich Deutschland besonders verbunden, weil sie sich 1975 zur Zeit des Militärputsches gegen ihren Vater dort aufhielt und auch Schutz fand. Ist man immer so nah an der großen Politik bei Veridos? „Oft. Als Spezialist für Identitätslösungen haben wir ja überwiegend staatliche und behördliche Kunden. Unsere Projekte – z. B. Systemlösungen für Ausweispapiere, Führerscheine und Grenzkontrolle – haben mit elementaren Fragen staatlicher Hoheit und Sicherheit zu tun. Das bringt uns immer wieder mit interessanten Persönlichkeiten anderer Länder in Kontakt“. Familie Bellersheim zu Hause kommt dagegen eher in den Genuss von typischen südasiatischen Gewürzen und Früchten, die Fabiola von ihren Einsätzen dort mitbringt – inklusive einer Erweiterung ihrer Kochkünste.

Doch mal ehrlich: Wie ist das in einer solch anspruchsvollen internationalen Leitungsposition mit der Life Balance? „Na ja, in erster Linie ist es ganz schön harte Arbeit“, sagt Bellersheim ganz klar. „Allerdings habe ich G+D stets als äußerst unterstützend und flexibel erlebt. Ich konnte alles ausprobieren: Vollzeit und Teilzeit, ich habe aus dem Home Office gearbeitet und war auch mal mit zu stillendem Kind im Büro.“ Im Familienunternehmen G+D erlebt Bellersheim eine Kultur, in der man alle Freiheiten hat, wenn die Ergebnisse stimmen. „Wann ich arbeite, wo ich arbeite – zu Hause, auf Reisen oder in meinem Büro – ist meine Entscheidung. Wer logisch und überzeugend argumentiert, bekommt hier alle Unterstützung und Anerkennung, die man sich wünschen kann.“ Und sicher auch eine neue berufliche Herausforderung, wenn die Nächte in Deutschland zu ruhig werden.

Ein Jahr zuvor: das noch unbebaute Grundstück für das Fabrikgebäude.
V. l. n. r.: John Farley, Andreas Wirthmüller, Fabiola Bellersheim und Andreas Kuba von Veridos.

»Alleine, dass ich in meinem Berufsleben bei G+D und Veridos so viele spannende neue Menschen kennen- gelernt habe und noch treffen werde, erfüllt mich mit Glück und Zufriedenheit.«

Die feierliche Vertragsunterzeichnung am 19. Juli 2018 in Dhaka.

Sehen Sie hier das komplette Interview mit Fabiola Bellersheim.

 

 

 

 

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